Inflationsschutz-Check: Gold, Kryptos und Immobilien

18.05.22
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Inflationsschutz-Check: Gold, Kryptos und Immobilien

Jetzt, da die Inflation auf einem 40-Jahres-Hoch liegt, ist die Jagd nach sicheren Anlagehäfen eröffnet. Vom klassischen Sachwert Gold über Immobilien bis hin zu Kryptowährungen: Welche Kapitalanlage funktioniert am besten als Inflationsschutz und wo liegen die Nachteile?

Beispielbild zur Veranschaulichung der Goldpreisentwicklung

Lange ist es her, dass die Inflation in Deutschland so hoch war wie jetzt –  im April lag sie laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes bei 7,4 Prozent. Das war zuletzt im vergangenen Jahrhundert und zwar 1981 der Fall. In der Eurozone stieg die Inflationsrate im selben Monat im Jahresvergleich auf ein Rekordhoch von 7,5 Prozent. Der Preistreiber schlechthin waren die hohen Energiekosten. „Wird denn alles immer teurer?“, sorgen sich die Bürger:innen und fragen sich, wohin sie ihr Erspartes investieren sollen, um sich vor der Geldentwertung zu schützen. Max Herbst von der FMH Finanzberatung musste bereits am Anfang des Jahres passen: Die aktuelle Inflationsrate in Deutschland ist mit Tages- und Festgeldkonten, deren Zinsen er laufend vergleicht, nicht mehr zu übertreffen. Und selbst wenn die Kontostände einigermaßen stabil bleiben, knabbert die Inflation schleichend am Vermögen – es verliert real an Wert. Ein Klassiker in unsicheren Zeiten, der vielen als erstes in den Sinn kommt, ist Gold. Auch Immobilien sind beliebt als Krisen-Investment. Und für alle, die „Out of the Box“ investieren wollen, klingen Kryptowährungen verheißungsvoller denn je. Was für und was gegen Gold, Immobilien und Kryptos als Inflationsschutz spricht.

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Gold 

+ Pro

Gold ist ein natürlich begrenzter Rohstoff und liegt in physischer Form – zum Beispiel als Nuggets oder Goldbarren – vor. Bei entsprechender Sicherung und Lagerung ist Gold für Dritte (zum Beispiel den Staat) nicht greifbar. Als klassischer Sachwert funktionierte das Edelmetall schon während der Hyperinflation 1923 oder bei der Währungsreform im Jahr 1948. Dementsprechend hat es sich einen Ruf als Wertspeicher erworben, der sicherstellt, dass das Vermögen auch in Krisenzeiten geschützt ist. Die vielen wirtschaftlichen und politischen Krisen wie zuletzt der Ukraine-Krieg haben den Preis für das Edelmetall nach oben getrieben: Am 25. April 2022 notierte Gold bei rund 1.900 US-Dollar je Feinunze. Bereits in den vergangenen Jahrzehnten hat der Goldpreis immer wieder Höhenflüge hingelegt. Unter anderem war das der Fall, wenn Anleger:innen eine hohe Inflation erwarteten oder es tatsächlich zu einer starken Geldentwertung kam, etwa während der Ölkrise Ende der 1970er-Jahre mit zweistelligen Inflationsraten. Damals kam es zur (auch heute wieder von Ökonom:innen befürchteten) „Stagflation“: Einer schwer zu beherrschenden Marktsituation, die sowohl von steigender Inflation als auch einer stagnierenden Konjunktur gekennzeichnet ist. In einem ausgewogenen Portfolio sollte Gold laut einer Umfrage von Universal-Investment deshalb 2022 nicht fehlen. Die befragten unabhängigen Vermögensverwalter:innen raten zu einem Anteil von 9 Prozent in Gold/Edelmetallen als Inflationsschutz.

- Contra

Während Gold für den einen als potenzieller Inflationsschutz gilt, sprechen die Zahlen eine etwas andere Sprache: „Das Verhältnis vom Goldpreis zum breit gestreuten US-Aktienindex S&P 500 lag im Januar 1975 laut Macrotrends bei 0,44. Man brauchte also 0,44 Unzen Gold, um einen rechnerischen Anteil am Index zu erwerben. Heute würde man 2,37 Unzen benötigen. Der S&P 500 hat sich also in Gold gerechnet mehr als verfünffacht“, so Christoph Gössel, Investmentanalyst bei Motley Fool Deutschland. Auch eine risikolose Anlage war das Edelmetall in den vergangenen Jahren oft nicht. Die Schwankungen waren häufig stärker als beim Aktienindex MCSI World Index, der Aktien von über 1.650 Unternehmen mit hoher und mittlerer Marktkapitalisierung aus 23 Industrieländern umfasst. Finanzexperte Gössel empfiehlt, „Vermögen eher in einen MSCI World-ETF als in Gold zu stecken, um der Inflation zu entgehen.

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Kryptowährungen 

+ Pro

Wie bei Gold (s.o.), das ebenfalls ein begrenztes Angebot hat, werden Kryptowährungen vielfach als Inflationsschutz angesehen. Bei der US-Großbank JP Morgan und dem Wirtschaftsmagazin Forbes ist man sogar der Meinung, dass Kryptos in diesem Punkt Gold schlagen. Warum also zuschauen, wie das Vermögen an Wert verliert, wenn es sich auch in Kryptowährungen umschichten lässt? Hier können digitale Vermögenswerte wie Bitcoin (BTC) glänzen: Der Primus unter den Digitalwährungen kann mit seinem festen Angebot nur deflationär sein. „Das liegt daran, dass nur 21 Millionen BTC gemined werden können, und fast jeden Tag geht etwas davon verloren“, so Vignesh Selvasundar von BeinCrypto.com. Das führt zu einem Angebot, das darauf ausgelegt ist, seinen Wert zu erhöhen, während es immer knapper wird. Neben dem Krypto-King Bitcoin gibt es natürlich auch noch andere Kryptowährungen mit einer festen Anzahl von Coins. Hier gilt dann ebenfalls die Logik, dass Verknappung sie wertvoller machen sollte – jedoch immer vorausgesetzt, es besteht überhaupt eine Nachfrage nach ihnen! Viele Vermögensberater:innen empfehlen 2022 eine „Prise Kryptowährungen“ als Inflationsschutz ins private Portfolio aufzunehmen: Fast die Hälfte der von Universal-Investment Befragten rät zu einem kleinen Anteil Kryptowährungen, wie Bitcoin, zum Teil sogar bis zu fünf Prozent.

- Contra

Die Deflationsphilosophie gilt nur für Projekte mit einem begrenzten Gesamtangebot (s.o.). Beim Bitcoin-Konkurrenten Ethereum sieht das zum Beispiel schon etwas anders aus. Ethereum hat keine vollkommene Begrenzung, lediglich die Zahl der jährlichen Emissionen ist auf 18 Millionen Ether (ETH) begrenzt. Ein unbegrenzter Schöpfungsprozess ohne Obergrenze würde sich eher wie eine Fiat-Währung verhalten, schreibt Vignesh Selvasundar von BeinCrypto.com. „Das bedeutet nicht, dass es dem Vermögenswert an Wert fehlt, es bedeutet lediglich, dass die Schaffung neuer Münzen kontrolliert werden muss, um die Inflation auf einem vernünftigen Niveau zu halten“, so sein Fazit. Außerdem sind Kryptos hochspekulativ und mit enormen Kursschwankungen verbunden – ein „sicherer Hafen“ sind sie damit nach Meinung von Expert:innen nur bedingt. Sören Hettler, Analyst der DZ Bank, warnt auf tagesschau.de gar vor dem Risiko eines Totalverlusts: Neue Kryptowährungen könnten Bitcoin, Ethereum & Co. den Rang ablaufen.

Immobilien 

+ Pro

Immobilien werden nicht umsonst „Beton-Gold“ genannt. Ähnlich wie das Edelmetall sind sie ein Klassiker in Sachen Inflationsschutz, so Claire Ballentine und Alice Kantor von Bloomberg: „Immobilien gelten als eine Möglichkeit, sich gegen die Inflation abzusichern, da diese Anlageklasse in der Regel nur eine geringe Korrelation mit Aktien und Anleihen aufweist.“ Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Immobilienverbands IVD sind Immobilien gerade in Krisenzeiten gefragt. Für die Mehrheit der Befragten (54 Prozent) bilden sie den besten Inflationsschutz. Einer der Gründe sind die Auswirkungen der Inflation auf die Kreditbelastung. Wenn der Preis eines Hauses im Laufe der Zeit steigt, sinkt der Beleihungswert der Immobilienkreditschulden. Die Wirkung ist eine Art automatischer Zinsabschlag: Das Eigenkapital der Immobilie steigt, aber die Hypothekenzahlungen mit dem festen Zinssatz bleiben gleich. Die Inflation kommt aber auch Immobilieninvestoren zugute, die Einnahmen aus Mietobjekten erzielen, erläutert David Wieland, CEO der Immobilieninvestment-Firma Realized, auf Forbes.com: „Höhere Immobilienpreise bedeuten oft auch höhere Mieten. Vermieter:innen, die in der Lage sind, die Miete nach oben zu korrigieren, während ihre monatliche Darlehensbelastung gleich bleibt, haben am Ende mehr Geld in der Tasche.“

- Contra

Das Interesse der Anleger an Immobilien als Inflationsschutz ist riesig – auch vor dem Hintergrund eines boomenden Immobilienmarktes. Das bedeutet für „Immo-Newbies“ und Neu-Häuslebauer:innen ein genaues Abwägen, ob sich das Investment lohnt. Denn das Angebot an Häusern ist gering, und die Bauzinsen drohen zu steigen, prognostiziert Alexander Naumann, Leiter des 1822direkt Immobiliencenters der Frankfurter Sparkasse: „Schleichend aber kontinuierlich haben sich im letzten Jahr die Bauzinsen nach oben entwickelt und sind durchschnittlich um rund 30 Basispunkte gestiegen. Dynamischer war die Entwicklung in den ersten Wochen 2022, sodass wir uns ziemlich schnell vom Zeitalter des extrem günstigen Baugeldes verabschiedet haben.“ Außerdem ist nicht mit jedem Immobilienkauf das Vermögen inflationssicher angelegt. Nicht alle Immobilien werden sich günstig im Preis entwickeln, meinen Expert:innen: Weil Immobilien (anders als etwa Kryptos) eindeutig standortgebunden sind, muss man von Fall zu Fall entscheiden und berücksichtigen, dass ländliche Gebiete möglicherweise nicht die gleichen Aussichten wie Großstädte bieten.

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